Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Geschichte des Instituts

Das Institut für Sportwissenschaft an der
Martin-Luther-Universität  Halle-Wittenberg

Theo Austermühle

Die Anfänge der unter Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg 1694 gegründeten Universität Halle markieren auch gleichzeitig den Beginn der akademischen Leibesübungen in Halle. Sie sind sowohl Garanten für die Wehrertüchtigung und Mobilität der Scholaren als auch Bildungsbestanteil des dem "galant homme" verpflichteten sozialen Statusideal ( Reiten, Voltigieren, Fechten, Jagd- und Kriegsexercitien sind für diese Zeit als Leibesübungen verbürgt).

Ab 1886 tritt der dem englischen Sport und dem deutschen Turnen gleichermaßen aufgeschlossene Universitäts- Turn- und Fechtlehrer Gummal Fessel sein Amt an. Damit beginnen Bestrebungen, akademisch ausgebildete Turnlehrer für die höheren Schulen auszubilden und gleichzeitig turnerische und sportliche Betätigungsmöglichkeiten für Studierende und Lehrende auszubauen.

Als Folge des I. Weltkrieges mehren sich ab 1920 (Göttinger Studententag ) Stimmen in der Studentenschaft, die die Institutionalisierung der Leibeserziehung und die Pflichtteilnahme der Studierenden daran einfordern. Für das Wintersemester 1924/25 kündigen der Akademische Ausschuss für Leibesübungen unter Vorsitz des Anatomieprofessors Stieve, der Hochschulturn- und Sportlehrer Dr. Richard Conrad und das Studentische Amt für Leibesübungen ein Programm an, das nunmehr ein Institut für Leibesübungen an der Universität Halle unter Leitung von Dr. Conrad umzusetzen gedenkt. Dies bedeutet vor allem, dass an der didaktischen Vervollkommnung des Übungsgutes gearbeitet wird und vollzieht sich in einer Zeit, da die Rivalität zwischen Turnen und Sport keineswegs zu Gunsten einer der beiden Richtungen entschieden ist.

Die Zielstellung des Instituts ist insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus sehr einseitig auf körperliche und Wehrertüchtigung ausgerichtet. Wissenschaftsfeindlichkeit korrespondiert mit ideologischer Überformung und führt dazu, dass das Fach Leibeserziehung an der Universität zwar wegen der physischen defizitären Fitness der Jugend von den maßgeblichen Stellen der Universität akzeptiert wird, man sich aber weigert, dem Fach den Status einer Wissenschaftsdisziplin zuzuerkennen. So bleiben die Anfänge einer universitären Karriere des Faches Leibeserziehung in ersten Konzepten auf schulische und Trainingsbelange bezogene didaktische Versuche zur Systematisierung des Übungsgutes beschränkt. Festzuhalten für diese Etappe von 1924 bis 1945 bleiben als wesentliche Ergebnisse die institutionelle Einbindung des Faches Leibeserziehung/ Leibesübungen in die universitären Strukturen, die Einführung des studentischen Pflichtsports und die Anerkennung als Studienfach für die Philologenausbildung (Lehramtsausbildung) im Haupt- und Nebenfach.

Dr. phil. Gerhard Lukas

Dr. phil. Gerhard Lukas

Dr. phil. Gerhard Lukas

Erst ab 1948 ( Beginn des Wintersemesters ) wird unter der Bezeichnung Institut für Körpererziehung an der Martin-Luther- Universität Halle- Wittenberg unter der Leitung von Dr. phil. Gerhard Lukas das Institut neu eröffnet, obwohl es bereits 1945 solche Versuche zur Wiedereröffnung nach dem Krieg gegeben hat. Lukas wird 1952 zum Professor mit Lehrstuhl für Körpererziehung berufen, nachdem er seine Habilitation 1951 an der Pädagogischen Fakultät abgeschlossen hatte. Nachdem diese Fakultät 1954/55 in die Philosophische Fakultät überführt wird, ist erstmals an einer deutschen Universität das Promotions- und Habilitationsrecht für Mitglieder eines sportwissenschaftlichen Instituts gewährleistet. Seit 1956 erfolgen dann auch erste Habilitations – und Promotionsverfahren.
Unter dem Direktorat von Lukas erlangt das Institut eine gewisse Modellfunktion für die Strukturierung der Institute für Körpererziehung in der DDR.
Lukas ist es auch, der zum Aufschwung des akademischen Sports in der DDR durch seine Beteiligung an der Gründung des Sportclubs Wissenschaft Halle wesentlich beiträgt. Dieser Club war als Zentrum der leistungssportlichen Entwicklung Studierender gedacht. Dies wird durch eine gezielte Obstruktionspolitik des DTSB-Präsidiums zunichte gemacht. Für die Wissenschaftsentwicklung
wesentlicher ist jedoch der Beitrag, der unter Lukas zur Entwicklung des Faches Sportwissenschaft erbracht wird. Bereits 1956 publiziert und begründet er den
Begriff mit ersten Ansätzen einer theoretischen Begründung zur Struktur und Funktion einer modernen Sportwissenschaft.

Die in den 60-er Jahren beginnende und bis in die 80-er Jahre sich rasant fortsetzende Ausdifferenzierung des Faches führt dazu, dass man relativ früh die Gefahr eines relativ unverbindlichen Nebeneinanders der einzelnen Fächer der Sportwissenschaft erkannte und dieser Erscheinung mit der Strukturierung in Lehr- und Wissenschaftsgebiete zu begegnen trachtete. So sind seit der Mitte der 60-er Jahre folgende strukturierende Einheiten im Institutsaufbau in mehr oder weniger starker Variation zu beobachten:

  • Geisteswissenschaftliche Grundlagen (Sportgeschichte, -psychologie, -soziologie, -philosophie)
  • Naturwissenschaftliche Grundlagen (Sportmotorik, -biomechanik)
  • Sportpädagogik und – didaktik, insbesondere des Schulsports aber auch anderer Tätigkeitsfelder
  • Trainingswissenschaftliche Grundlagen
  • Sportmedizin
  • Theorie und Methodik der Sportarten

Die in den letzten Jahren hinzugekommenen, den Modernisierungszwängen entsprungenen Anforderungen und Nachfragen wurden bisher häufig diesem Strukturschema zugeordnet, denkt man an Sportmanagement, Sport in Therapie und Rehabilitation, modernere Trends in der Entwicklung von sportiven Aktivitäten, Fitness- und Gesundheits-, Ernährungsfragen usw.

Die in den 60-er Jahren geschaffene Sektion (ähnlich einem heutigen Fachbereich ) für Sportwissenschaft und das sich daraus nach 1991 formierende Institut für Sportwissenschaft, zunächst im Fachbereich Erziehungswissenschaften, danach im Fachbereich Musik-, Sport, und Sprechwissenschaften beheimatet, wird insbesondere nach 1991 dahingehend umprofiliert, dass nunmehr auch außerhalb der Lehramtsstudiengänge Diplom- und Magisterabschlüsse erreicht werden können. Neben dem traditionellen Sportlehrerberuf für die unterschiedlichen Schulstufen werden insbesondere Ausbildungsschwerpunkte für den Sport in Prävention, Rehabilitation und Therapie sowie Magisterstudiengänge, die die Sportausbildung mit Angeboten anderer Fachbereiche oder Fachrichtungen koppeln, stärker nachgefragt.
Die Universität Halle bietet außerdem ein reichhaltiges Spektrum an Sportarten im Rahmen seines Universitäts- Sport -Zentrums an.

Im Wintersemester 2005/6 wurde am Institut der erste Bacheolor - Studiengan mit 180 Leistungspunkten angeboten. Dem folgten Bachlor - Studiengänge mit 60 / 90 und 120 Leistungspunkten.

Bereits im Wintersemester 2008/9 folgten zwei Masterstudiengäng (120 LP) .

1. Sport und Ernährung                               Prof. Hottenrott
2. Angewandte Sportpsychologie              Prof. Stoll

ZeitraumBezeichnungDirektorIn/ kommissarischer Leiter
1924/25 - 1936Institut für LeibesübungenDr. R. Conrad
bis 1942Hochschulinstitut für LeibesübungenDr. W. Ebel
1942 - 1945Hochschulinstitut für LeibesübungenDr. G. Weimann
K. Graßhoff
L. Hagedorn
1947/Sommersem.Institut für körperliche Erziehung und SchulhygieneProf. Dr. G. Hinsch
1948/Sommersem.
1948-49/Wintersem.
Institut für körperliche ErziehungOStR. Dr. P. Schulz
Doz. Dr. Gerhard Lukas
1949/Sommersem.- 1951Pädagogisches Institut für körperliche ErziehungDoz. Dr. Gerhard Lukas
1951-52/Wintersem.-
1958/Sommersem.
1958 - 1961

1962 - 1968
Institut für KörpererziehungProf. Dr. Gerhard Lukas

Dr. W. Schröder
Dr. Gerd Stiehler
Prof. Dr. Gerhard Lukas
bis 1969Institut für SportwissenschaftProf. Dr. Gerhard Lukas
bis 1977Sektion SportwissenschaftProf. Dr. Gerhard Lukas
bis 1990Prof. Dr. Gerhard Möser
bis 1991Institut für SportwissenschaftProf. Dr. Jürgen Leirich
bis 1992Prof. Dr. Heinz Hasenkrüger
bis 1998Prof. Dr. Theobald Austermühle
bis 2000Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich
bis 2005Prof. Dr. Siegfried Leuchte
01.20052006 Department SportwissenschaftProf. Dr. Kuno Hottenrott
09.2008Prof. Dr. Oliver Stoll
09.2009Prof. Dr. Kuno Hottenrott

09.2011

Prof.Dr. Rainer Wollny

2013

Prof.Dr. Oliver Stoll

redaktionell bearbeitet:

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